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1935

1935 bildete Hamborn für eine kurze Zeit gemeinsam mit der Stadt Duisburg die Stadt Duisburg-Hamborn:

Duisburg-Hamborn ist die älteste Stadt des Rheins, die nicht auf eine römische Gründung zurückgeht. Wenn die Stadt trotzdem nicht mit großer Geschichte und gewaltigen Denkmälern ihrer Vergangenheit aufwarten kann, so liegt das an einem seltenen Mißgeschick, das sie in ihrer besten Entwicklung traf. Im Jahre 1270 veränderte der Rhein urplötzlich seinen Laut und rückte Duisburg vom Strom ab, der die Grundlage für ihren wirtschaftlichen Aufstieg bildete.

Jahrhunderte träumte Duisburg-Hamborn das Dasein eines stillen Landstädtchens, bis mit dem allgemeinen Aufschwung der Technik großzügige Hafenanlagen geschaffen wurden, die den Abstand zwischen der Stadt und dem Rhein überwanden. Seit dieser Zeit hat Duisburg-Hamborn einen unerhörten Auftrieb erfahren. Der größte Binnenhafen der Welt, mit einem Umschlag, der in normalen Zeiten den der Welthäfen übersteigt, sorgt für die Verschickung der heimischen industriellen Güter und Bodenschätze nach allen Teilen der Welt. Um ein Bild des gewaltigen Verkehrs zu geben, einige Zahlen; 1933 verkehrten 34000 Güterdampter und 76000 Schleppkähne mit einer Gesamtladung von 26,8 Mill. t.
Im nördlichsten Teil der Stadt (Hamborn) hat sich eine der gewaltigsten Industrien der Welt aufgebaut, Bergwerke, die aus dem reichhaltigen Kohlenbau schöpfen, modernste Hüttenbetriebe, die alle Welt versorgen können. Es gehört zu den unverlöschlichsten Erlebnissen, die Stadt an einem Werktage zu durchwandern. Wälder von rauchenden Schloten türmensich vor uns und werfen ihr Spiegelbild in den mächtigen, von ungezählten Schiffen belebten Rheinstrom. So drängt sich in Duisburg-Hamborn modernstes Verkehrsleben und gewaltigste Arbeitskraft zu einem Abbild unseres technischen Jahrhunderts.
Wo das Leben pulst, da entwickelt sich auch künstlerische Kultur, so daß es nicht verwundert, wenn Duisburg-Hamborn eines der besten Theater Deutschlands besitzt, das seinen Ruf im ganzen Reich und auch im Auslande fest begründet hat. Einer der größten Bildhauer unseres Volkes, Wilhelm Lehmbruck , ist ebenfalls in Duisburg geboren, und eine umfangreiche Sammlung seiner Arbeiten in einem sehenswerten Museum gibt uns Gelegenheit, modernem künstlerischen Schaffen nahe zu kommen.

in: Deutschland-Bildheft Nr.179, Duisburg-Hamborn, 1935, in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Verkehrs- und Presseamt Duisburg.Hamborn herausgegeben

Massenverarmung und Massenverelendung in Hamborn

Der Duisburger Generalanzeiger vom 9. Dezember 1932 berichtet aus Hamborn von Massenverarmung und Massenverelendung. Viele Hamborner gingen morgens um fünf zu Fuß zum Meidericher Schlachthof , um ein wenig Essen zu organisieren. Dort gab es Fleischabfälle „Kuheuter, Magen, Hirn“, 3 bis 4 Pfund pro Person. Der Arbeiterschiftsteller Hans Marchwitza wohnt 1932 in der Hamborner “ Juppkolonie “ und arbeitet als Bergmann auf Zeche Thyssen 4/8 . Aus seinen Erlebnissen schreibt er den Roman Walzwerk – der 1932 in Berlin erscheint.

zitiert nach Tatort Duisburg – 1933-45

Hamborn wird zu Duisburg-Hamborn

Ganze 18 Jahre lang war Hamborn eigenständige Stadt: Mit Wirkung vom 1. August 1929 wurde Hamborn mit der Stadt Duisburg und den Ortschaften Huckingen, Mündelheim und Rahm (Amt Angermund, Kreis Düsseldorf) zur neuen Stadt Duisburg-Hamborn vereinigt. Diese wird 1935 in Stadt Duisburg umbenannt.
Nach Rathaus, Post, Amtsgericht und Theater bekommt die Stadt Hamborn nun auch ein Städtisches Museum im Rathaus. Am 24. Februar 1929 erhält es größere Räume im Südflügel der neuen Berufsschule.

Vereinigte Stahlwerke AG Hamborn

Die August-Thyssen-Hütte und die Gewerkschaft Friedrich Thyssen (seit 1919 Nachfolgegesellschaft der “ Gewerkschaft Deutscher Kaiser “ ) werden in die Vereinigten Stahlwerke AG „eingebracht“ – der 105 Meter hohe Großgasbehälter der Gasgesellschaft Hamborn in Bruckhausen wird in Betrieb genommen.

Mathias Thesen wird Stadtverordneter in Hamborn

Mathias Thesen wird Stadtverordneter in Hamborn. Mathias Thesen, geboren am 29. April 1891 in Ehrang und gestorben am 11. Oktober 1944 im KZ Sachsenhausen, war Teilnehmer an der Novemberrevolution und wurde später Betriebsratsvorsitzender des Hafenbetriebs Walsum und 1920 führendes Mitglied der KPD, die in jenen Jahren eine außerordentlich starke Basis im niederrheinischen Bergarbeiter- und Industriemilieu hatte. Er wurde 1924 in die Stadtverordnetenversammlung des damals noch selbständigen Hamborn gewählt und Mitte der 1920er Jahre Vorsitzender der KPD-Fraktion.

Fritz Thyssen Ehrenbürger

Am 25. Januar 1923 wird nach August Thyssen nun auch dessen Sohn Fritz Thyssen Ehrenbürger der Stadt Hamborn. 1940 wird ihm diese wieder entzogen.

Hamborn hat ein eigenes Theater

1922 eröffnet die Stadt Hamborn in einem umgebauten Kino ( Apollotheater ) in Bruckhausen das „Große Haus“ des Stadttheaters. Ganze sieben Jahre wird hier Theater gespielt, dann wird Hamborn zwangseingemeindet. 1922 „verschwinden“ auch die letzten Reste des Schwelgernbruchs.

Französische Besetzung und Thyssengas

Der neue Oberbürgermeister der Stadt Hamborn heisst Dr. Hugo Rosendahl . Er bleibt Oberbürgermeister bis zur Weltwirtschaftskrise 1929.
Am 25. Januar 1921 erfolgt die Gründung der Gasgesellschaft mbH Hamborn – seit 1927 heissen diese Thyssensche Gas- und Wasserwerke und seit 1965 Thyssengas. Am 8. März besetzen französische Truppen Duisburg und Hamborn.

Am 1. November 1921 bekommt Hamborn ein eigenes Amtsgericht – gleich neben Post und Rathaus. Vermutlich wird man dort die Unterstützer des Kapp-Putsches freigesprochen und die Retter der Republik abgeurteilt haben: Wer weiß etwas darüber?

Kapp-Putsch, Rote-Ruhrarmee und ein Berg wird abgetragen

Während der Märzrevolution 1920 wird Hamborn für knapp drei Wochen von Arbeitern regiert, die mit einem Generalstreik und Hilfe der “ Roten Ruhrarmee “ eine Militärdiktatur verhindern. Gemeinsam mit anderen Arbeitern im Ruhrgebiet (und anderen Teilen des Landes) schützen sie die junge Weimarer Republik. ( Kapp-Putsch ). Das Bild zeigt Reichswehrtruppen vor dem Hamborner Rathaus. Weitere Informationen zu den Ereignissen unter http://www.deutsche-revolution.de/chronik_1920

Der Kiebitzberg in Schwelgern wird abgetragen. Die während der Ereignisse am 26. März 1920 gegründete Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Neumühl erfährt bereits am 2. Juni eine Namensänderung: sie wird in Gewerkschaft Neumühl umbenannt.