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Besteuerung durch die Stadt Hamborn 1900 - 1910

1910

Chronik Duisburg-Hamborn Stadtportraits Industrie und Handel
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B. Die indirekten Gemeindesteuern

1. Umsatzsteuer
Steuerordnung vom 4. Juli 1904. Der Umsatzsteuer unterliegt — unter Berücksichtigung gewisser Befreiungen und Ermäßigungen — grundsätzlich jeder auf Grund einer freiwilligen Veräußerung erfolgende Erwerb von Grundeigentum und Bergwerkseigentum innerhalb der Gemeinde Hamborn. Die Steuer beträgt 1 % vom gemeinen Wert des Grund- bezw. Bergwerkseigentums.

2. Biersteuer
Steuerordnung vom 19. Februar 1900, bezw. 4. Februar 1904. An Steuer wird erhoben von allem in den Gemeindebezirk eingeführten Bier:
a) für schweres Bier pro hl 65 Pfg.
b) für leichtes Bier pro hl.  32,5 Pfennig

3. Hundesteuer
Steuerordnung vom 4. Juni 1885. Die Steuer beträgt für jeden Hund 9 Mark. Befreit sind nur die zur Bewachung und für das Gewerbe unentbehrlichen Hunde.

4. Lustbarkeitssteuer

Steuerordnung vom 29. Januar 1900. Für die in der Gemeinde stattfindenden Lustbarkeiten wird eine Steuer erhoben, die je nach dem Charakter der Lustbarkeit in verschiedene Steuersätze abgestuft ist. Die sämtlichen Einnahmen an Kommunalsteuern der direkten, sowie der indirekten stellen sich wie folgt dar:

 
  Einnahmen Ausgaben
1900   684.478 Mark 1.089.034 Mark
1905 1.698.471 Mark 2.878.000 Mark
1910 3.001.585 Mark 4.666.290 Mark

Um das Mehr an Ausgaben, welche durch die Kosten für Schul-, Wege-, Entwässerungsbauten usw. verwendet werden mußten, zu decken, hat die Gemeinde Darlehen aufgenommen. Die Tilgung der Darlehen erfolgt nach den vom Kreisausschuss festgestellten Grundsätzen, je nach der Verwendungsart von 1,5 %is 10° %.

Im Verhältnis zu den großen Anforderungen, die die Ordnung der Verkehrsverhältnisse sowie die Erledigung der Schul- und Armenlasten an die Gemeindeverwaltung stellen, haben die Zuschläge zu den staatlich veranlagten Sätzen sich in relativ bescheidenen Grenzen gehalten. Es gibt Industriestädte, wie z, B. Hagen, das nicht vor einer so großen Lösung kommunalpolitischer Probleme steht, das seinen Bürgern einen Zuschlag von 275 % zu den staatlich veranlagten Sätzen zumutet.

Sieht man von einzelnen Prachtbauten ab, die der Initiative des weitblickenden Oberbürgermeisters zu verdanken sind, wie das aus Sandstein in romanischem Stil erbaute Rathaus, ferner die neuen Volksschulhäuser, das Realgymnasium und die höhere Mädchenschule, sowie das gegenüber dem Rathaus gelegene Reichsbankgebäude, aus rotem Sandstein errichtet, so fällt unser Auge einerseits nur auf hohe Mietskasernen, denen man schon äußerlich ansieht, daß ihre Erbauer mehr auf Quantität als auf Qualität Wert legten und andererseits auf weite Häuserreihen kleineren Umfanges, deren Gleichheit der Bauweise sie sofort als Koloniehäuser charakterisieren.

In den Straßen bewegen sich neben rasch dahineilenden Geschäftsreisenden fast nur Arbeiter und Arbeiterfrauen, darunter viele ausländische Typen, die Polinnen mit den bunten Tüchern über den Kopf geschlagen, die Kassubinnen mit weissen Jacken nach dem Schnitt von Nachtjacken bekleidet, ein buntes Völkergewirr, das wie beim Turmbau zu Babel jedes in seiner eigenen Sprache, nach seinen eigenen Sitten dahinlebt.

Inmitten dieser Zentrale modernster Unternehmungen mit ihrem grossen Arbeiterheer erhebt sich eine alte Kirche, die im Jahre 1137 gestiftete ehemalige Prämoustratenser-Abtei mit einem prachtvollen roma-nischen Kreuzgang. Wie eine grosse mächtige Hand hebt sie mahnend ihre Türme, als ob sie sagen wollte, dass Hasten und Ringen nach materiellem Besitz allein unser Leben nicht reich und froh mache, dass hier eine Stätte sei, wo sich die Menschen um die höchsten Güter der Kunst und der Kultur gemüht und dass von der Kunst und der Kultur nur die Kraft ausgehe, die den Menschen hinaufpflanze. Wohl füllen sonntäglich hunderte frommer Beter das grosse Gotteshaus, ob aber die Vorbedin-gungen geschaffen sind, den tiefen Sinn zu verstehen, der in dieser Stätte alter Kultur liegt, das wird wohl aus unserer Untersuchung hervorgehen.     

Entnommen aus: "Die wirtschaftliche und soziale Lage der Frauen in dem modernen Industrieort Hamborn im Rheinland" - Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer hohen staatswissenschaftlichen Fakultät der Erhard-Karls-Universität zu Tübingen , vorgelegt von Li Fischer-Eckert aus Hagen in Westfalen. Verlag von Carl Stracke 1913        

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