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Dichterviertel Hamborn

1900

Chronik Duisburg-Hamborn Stadtportraits
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1932 machten die Nazis einen 1. Versuch, mit bewaffneter Formation ins Dichterviertel einzudringen. Die Arbeiter errichteten Barrikaden. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen, und es gab Tote und Verletzte. Die Nazis hetzten gegen die Aktivitäten der antifaschistischen Bergleute in ihrer Lokalpresse. Die NS-Journalisten nannten die Nazi-Gegner "Mordbanditen und Antifa-Horden" und drohten, diese "Unter-menschen mit Stumpf und Stiel auszurotten". "Austilgen, ausmerzen, vernichten, zerstampfen, zerschmettern" u. ä. gehörten zu ihrem Sprachrepertoire.
Als Hitler 1933 Reichskanzler wurde, zogen alkoholisierte SA-Truppen mit Pistolen, Totschlägern und Schlagringen ins Dichterviertel. Sie schössen in Fenster und schlugen Leute in Arbeiterkleidung nieder, Wohnungen wurden geplündert - Raub und Mord von der Polizei nicht   verhindert. In den Hamborner Bergmannsvierteln war die organisierte Untergrundtätigkeit der KPD so stark, daß die Gestapo den Sitz der illegalen Bezirksleitung des Ruhrgebiets hier vermutete.
Groß war die Menge des verteilten Materials. Ein "Literaturobmann" erhielt z. B. bei einem einzigen Treff am Hamborner Bhf. 5 000 illegale Schriften. Die Organisation war weit verzweigt. In Hamborn allein arbeiteten etwa 100 kommunistische 5er Gruppen. Der Apparat ging 1934 hoch, entstand aber trotz Massenverhaftungen neu.
Motor der neu gebildeten Widerstandsgruppe war der Kohlenhauer Kurt Spindler. Er wohnte auf der Kleiststr., wo seine Witwe heute noch hoch betagt lebt. K. Spindler war als Betriebsrat und Streik-führer 1931 auf Schacht 4/8 entlassen und nach Folterungen zusammen mit seinem Bruder Alfred, der Betriebsratsvorsitzender auf Z. Neumühl + MdL war, ins Moorlager deportiert worden.

Kurt Spindler war KPD-Stadtverordneter in Hamborn. Nach seiner Entlassung aus dem Moorlager baute K. Spindler einen Bergarbeiter-Widerstandskreis auf, der ab 1934 in den Kolonien und Zechen bis Wesel agierte. Die Illegalen trafen sich heimlich im Jubiläumshain, am Schlachthof und auf dem Altmarkt u. a. Orten. In einer von mehreren Verhaftungs-wellen der Gestapo in der Bergmannssiedlung fiel auch K. Spindler 1935 in die Hände der Nazis. Es gab zwischen 1935 und 1937 mehrere große Bergarbeiterprozesse; in einem wurde auch Kurt Spindler abgeurteilt. Er verhungerte 1943 in einem KZ bei Celle.
Nach ihm ist diese Straße benannt, die ursprünglich Heinrich-Heine-, im 3. Reich Georg-Fock-Straße hieß. (Modernisierung - vgl. Rhein-Lippe Angaben)

Kostgänger
Die Werkswohnungen mußten für damalige Verhältnisse dann als recht komfortabel angesehen werden, wenn sie nur von 4 - 5köpfigen Fa-milien bewohnt wurden. Das war fast nie der Fall. Einmal waren die Familien durch Kinderreichtum wesentlich größer als heute, zum „ anderen konnte nicht so schnell wohnraum geschaffen werden, wie Arbeitskräfte - vornehmlich alleinstehende junge Männer - zuströmten Diese Zuwanderer fanden Unterschlupf als Untermieter, Schlaf- und Kostgänger. Ihre Abgaben füllten den schmalen Haushaltetat der Familien und Hauptmieter auf. Relativer Höhepunkt des Kostgänger-wesens war das Jahr 1905 als 2 400 Familien durchschnittlich je 5 Kostgänger hielten; 1910 waren es 3 100 Familien mit durchschnitt-lich 3 Kostgängern. Man unterschied "halbe Kost", "volle Kost" und inoffiziell  "volle Kost voll"

Geschrieben von Horst Nattkamp im Jahre ? , freundlicherweise überlassen von Wulf Nattkamp im April 2008

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