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Dichterviertel Hamborn

1900

Chronik Duisburg-Hamborn Stadtportraits
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Das Dichterviertel - so benannt, weil bis auf ganz wenige Ausnahmen die Straßen in ihm Namen deutscher Dichter tragen - wurde von Thyssen für seine Bergarbeiter in der Zeit von 1900 - 1914 - etwa 10 % noch bis 1924 - gebaut. Wurde vor 1900 noch 1 /2geschossig gebaut und später wohl noch für Vorarbeiter und Steiger, so baute Thyssen nach 1900 im Dichterviertel vornehmlich 2 1/2geschossige wuchtige Mietkasernen auf für damalige Verhältnisse engem Raum. Noch bis zum Beginn des 1. Weltkrieges waren die alten Koloniestraßen nicht kanalisiert. Feste Straßendecken und Bürgersteige gab es selbstverständlich nicht. Zeitgenossen schreiben "...wuchtige rußgeschwärzte, jeglicher archetektonischen Feinheit oder Lebhaftigkeit bare, melan-cholisch stimmende Mietkasernen ... ; im Sonnenlicht erscheint dieser Riesensteinblock fast wie eine Totenstadt, in der der unbarmherzige Lichtstrahl nur auf Elend trifft ..." oder "Die Häuserblocks schließen einen öden Hofram ein, auf dem nichts Grünes die Monotonie des Graus bedeckt".

Die Hauseingänge liegen zu den Hofseiten. In den Höfen gab es parallel zu den Hausfronten Stallbauten mit Plumpsklos. Ziegen (Bergmannskühe), Schweine, Kaninchen und Federvieh waren uner-läßliche Nahrungslieferanten. Die Stallbauten wurden erst in den 50er Jahren abgerissen. Wenn man sich die Hausfassaden genauer betrachtet, wird man entdecken, daß durchaus unterschiedliche Fassadenmuster vorhanden sind. Feste Straßendecken, Bürgersteige und Baumreihen haben das Erscheinungsbild aufgebessert, wenn man dann noch sanierte Häuser sieht, muß man feststellen, daß sich viele noch fantasieloser gebaute Häuserblocks unserer Nachkriegszeit dahinter verstecken müssen.

Das Dichterviertel - früher auch Goethe- oder Schweinkolonie genannt - ist die größte zusammenhängende Arbeitersiedlung in Duisburg - größer als etwa die Neumühler Zechenhaussiedlung oder die Juppkolonie oder die Ostackerkolonie oder die Hornberger Rheinpreussen-Siedlung.

Heute unterteilt man das Dichterviertel am besten in 2 Teile:
1. Das Kerngebiet, das wir durchfahren, wird begrenzt von Duisburger Str., Nordfriedhof, Kalthoff- und Kampstr. Es umfaßt 25 unterschiedlich große Hofgevierte mit z. Z. ca. 2 000 Wohneinheiten, in denen rd. 5 000 Einwohner leben. Wie schon in den Anfängen ist der Ausländeranteil mit 50 % sehr hoch. waren es früher Polen, Kroaten, Italiener, Holländer u. a., die sich blockweise zusammenschlossen, so sind es heute Türken, bei denen die Tendenz zu Blockbildungen auch klar zutage tritt. Man kann es erkennen an den Innenhöfen. Wo wir schrebergartenähnliche Anlagen finden, herrschen deutsche Bewohner vor. Dieses Kerngebiet wird verwaltet von der Rhein-Lippe-Wohnstät-ten GmbH., einer RAG-Tochter.
2. Jenseits der Kalthoffstr. (östl. der Norbertuskirche) setzt sich das Dichterviertel fort, ohne den geschlossenen Charakter des Kerngebietes aufzuweisen. Starke Kriegseinwirkungen, Neu-und Privatbauten ergeben ein anderes Bild. Die Häuser dort werden von "Thyssen Bauen und Wohnen" verwaltet.

Wir erreichen die Kurt-Spindler-Straße. An dieser Stelle müssen einige Anmerkungen zu den politischen Verhältnissen im Dichterviertel der 20er und 30er Jahre gemacht werden. Das Viertel war, wie alle ähnlichen Viertel des Ruhrpotts ein "rotes Viertel", d. h. eine KPD-Bastion. In Hamborn wählten vor 1933 40 % KPD, im Dichterviertel 70 - 80 % - Ergebnisse, die die SPD heute hier erzielt - die NSDAP kam nicht über 10 %. "Tod dem Faschismus" stand auf manchen Mauern der Kolonien. Der militante Antifaschismus hatte Tradition. Nach der November-Revolution 1918 äußerte er sich in großen Kundgebungen, Streikaktionen, bewaffneten Demonstrationszügen zu Nachbarzechen und 1920 beim KappPutsch im bewaffnetem Widerstand gegen Republikfeinde. Hamborn wurde als Spartakistennest bezeichnet.

Die Mehrheit der Hamborner Arbeiterschaft war auch später erstaunlich immun gegenüber der NS-Propaganda. Zwischen 1933 und 1945 gab es immer eine breite Opposition auf den Schachtanlagen und in den Kolonien. Das lag z. T. an den elenden soz. Verhält-nissen, die sich im 3. Reich nicht änderten, ja sogar zeitweise verschlechterten.

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