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Hadinsky

Martha Hadinsky , geboren 1911 und gestorben 1963, war Verkäuferin bei EHAPE in Hamborn. Ihr Arbeitsplatz, ein Seifenstand auf der Jägerstraße, diente als Anlaufstelle für die illegale Materialverteilung des Widerstands im dritten Reich. In ihrem Tätigkeitsbereich Bruckhausen, Marxloh und Beeck bemühte sie sich, Verbindungen zu SAJ- und SAP-Mitgliedern herzustellen und gemeinsame Aktivitäten zu vereinbaren. Zum Teil erfolgreich: Die Jugendlichen schrieben Wandparolen, fertigten Klebezettel, verteilten im Untergrund selbstgefertigte Flugblätter und zentral gedruckte KJVD-Zeitungen („Junge Ruhrgarde"). Hierin wurde dazu aufgerufen, „dem Kriegshetzer Hitler entgegenzutreten, ihn zu stürzen".

Martha Hadinsky, die Tochter einer Bergarbeiterfamilie war fest verwurzelt in den Ideen und Traditionen der revolutionär-sozialistischen Bewegung. Hermann Bogdahl aus Beeckerwerth war ihr Weggefährte im Duisburger Jugendwiderstand, als er sie kennen lernte, war sie zwanzig Jahre alt.: „Es war an einem der Jugendabende in Duisburg-Beeck, an dem Martha teilnahm. Martha war von einer tiefen Begeisterung erfüllt, von jenem revolutionären Enthusiasmus, der damals viele von uns Jungkommunistinnen erfasst hatte. Martha sprach kurz und überzeugend. Es war ihre ganze Art, durch die sie Vertrauen erwarb und zu Aktivitäten anregte. Sie war von kleiner, zierlicher Gestalt... Als wir uns dann wiedersahen, herrschte der Terror."

Martha Hadinsky bekämpfte den „braunen Terror" seit dem Frühjahr 1933. Die „Jugend des Hochverrats", wie sich der KJVD selbst nannte, war als „Freie Sport- und Wanderbewegung" getarnt: Beim Schwimmen und Bootsfahren, beim Wandern und Zelten traf sich die frühere Rotsportlerin Martha Hadinsky mit ihren Mitstreiterinnen. Dabei fanden politische Schulungen statt. Antifaschistische Aktionen wurden vorbereitet.

Zugleich half Martha Hadinsky mit, Verstecke für gefährdete politische Freune und Freundinnen zu finden, die Flucht zu organisieren und den Kontakt zur Emigration in Holland nicht abreißen zu lassen. Gemäß der „Taktik des Trojanischen Pferdes" schloss sie sich - wie ihre politischen Freunde und Freundinnen -bürgerlichen Vereinen an. Martha Hadinsky trat, wie die Gestapospitzel beobachteten, „in Arbeitsdank und Sportverband ein, um Ar-beitsdienstler und Sportler für die Sache (des Widerstandes, d.Vf.) zu gewinnen".

Zwischen Dezember 1935 und April 1936 wurde die Widerstandsgruppe von der Gestapo „aufgerollt". Im „Duisburger Jugendprozess" verhängte ein Sondergericht acht Jahre Zuchthaus gegen Martha Hadinsky. Nur schwer ertrug sie die lange Haft im Frauenzucht-haus Ziegenhain bei Kassel. Sie erkrankte an einer lebensgefährlichen Tuberkulose. Doch blieb sie nach ihrer Haftentlassung politisch tätig. Noch im letzten Kriegsjahr nahm sie Kontakt zu politischen Häftlingen auf, die im Bombenräumkommando Kalkum arbeiteten und bei ihren Einsätzen in den Ruhrgebietsstädten Verbindungen zur Be-völkerung suchten. Nach der Befreiung agitierte sie insbesondere gegen die Wiederaufrüstungspläne der Regierung Adenauer und wurde nach dem KPD-Verbot erneut in die Illegalität und schließlich in den Selbstmord getrieben.

„Es war 1959", berichtet Herman Bogdal aus Beeckerwerth, „als wir uns zufällig in einem D-Zug trafen. Nur wenige Worte einer herzlichen und freundschaftlichen Begegnung konnten wir wechseln. Martha war für die wieder verfolgte und außer Gesetz gestellte KPD tätig. Verfolgt und beobachtet von den Häschern, wurde sie 1961 verhaftet. Sie weigert sich, ihre Genossinnen zu nennen und wird in Beugehaft genommen (im Amtsgericht Ruhrort, d.Vf). Die Dortmunder Strafkammer verurteilte Martha Hadinsky zu 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis. Die Rentenzahlungen werden eingestellt und sie zur Rückzahlung erfolgter Leistungen aufgefordert... Im April 1963 scheidet sie aus dem Leben, eine junge Revolutionärin, deren Lebensweg einen anderen Abschluß hätte finden können.

(nach: Manfred Tietz : Hanna und Herta.... Frauen im Duisburger Widerstand , in " Von Griet zu Emma . Beiträge zur Geschichte von Frauen in Duisburg ", Duisburg 2000, S. 41f)






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