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Wir machen ein Fest

150 Mädchen und Jungen in Duisburg-Neumühl
feiern in einem alten Haus, denn es ist draußen schon kühl
s´ist November, durch die Lehrerstraße pfeift hart der Wind
und trägt Musikfetzen rüber, die nicht von Pappe sind
Doch oben im ersten Stock ist es gemütlich und warm
ein paar Kerzen flackern, und Bärbel hält ihren Typen im Arm
Alle sind glücklich und lachen, Ötte meint: puns, puns, puns
ist doch die Sau so´n Abrißhaus, da sind wa unter uns!
Wir machen ein Fest, hier ist richtig wat los
lassen ein paar Platten spielen, hier ist keiner der Boss!
Bisken Bier außer Pulle und wir haben unser Späsken
wat sind wa gut drauf, endlich für uns ein Plätzken
In dem Tempel hier braucht keiner vorsichtig sein
kippt mal was um, na da passiert nicht viel
und keiner kriegt einen rein

Refrain:
Wir machen ein Fest – hier ist richtig wat Ios
hier kriegt keiner ein´ rein, hier ist keiner der Boss!

Plötzlich geht die Tür auf und es treten ein zwei Herren
einer murmelt: „ooch, die Förster!“, doch das hören die nicht gern
„Macht die Musik aus Jungs, und nich hier so´n Krach
is gleich nich Sense hier, steigt Euch ´ne Hundertschaft aufs Dach..“
Was die meinten, haben noch nicht alle Festgäste begriffen
da wird schon die Tür ein zweites Mal aufgerissen
jetzt sind´s gleich 42 im grünen Bock
mit chemischer Keule, Knarre und dem Gummistock
Wir machen doch nur ein Fest, wat is denn los?
Wir lassen ein paar Platten spielen: „Jau, sie sind der Boss!“
bisken Bier aus´er Pulle, wollnse nich auch en Häppken?
„Los, jetzt aber raus hier, sonst krisse ein vor´d Pläzken!
Wie kommt ihr überhaupt in das alte Haus rein?
Wir schmeißen euch die Treppe runter,
zieht ab, verschwindet, oder ihr kriegt voll eine rein“
Nee !!!

Wir machen ein Fest, hier ist richtig wat los
hier kriegt keiner einen rein, hier ist keiner der Boss!

Das Fest ist aus und der Einsatz rollt – in Duisburg-Neumühl
Schreie auf der Lehrerstraße – Polizei gegen Zivil
Es wird geschlagen, mit MP gedroht, an den Haaren gerissen,
in den Arsch getreten, festgenommen, in den Gitterwagen geschmissen.
Ein Sprechor ruft: „Gebt die drei raus, gebt sie frei“,
geht die Jagd erst mal los und die Prügelei
vom Streifenwagen gehetzt, von der Keule besprüht,
nochmal 9 Mann festgenommen, und der Einsatzleiter brüllt:

„Wir machen ein Fest und haun mal richtig los
lassen die Knüppel tanzen – Hier bin ich der Boss!“
Fließt das Gas aus der Keule und wir treten ein Häppchen
wat sind wa gut drauf, endlich ein Prügelplätzchen
Bei euch Langhaarigen brauchen wir nicht vorsichtig zu sein
kippt von euch einer um, passiert doch nicht viel
ihr kriegt feste eine rein!“ — „Nein !“
Wir machen ein Fest , hier is´ richtig wat los
hier kriegt keiner einen rein, – hier ist keiner der Boss!

Leute haben es gesehen, heute wissen wir´s, die Sache war geplant!
Der Einsatz stand bereit, zwei Straßen nebenan!
Die Sache ist offen, die fordern uns, auf Deubel komm raus!
Egal , ob in Kalkar – oder in diesem alten Haus.
Hier geht´s nicht um Musik oder Ordnung oder so´n harmlosen Kram
die wolln: Einschüchtern, Angst verbreiten – über den verlängerten Arm
Also, Achtung Leute, bevor die sagen: puns, puns, puns
der Stall ist demokratenfrei, jetzt sind wir unter uns!

Wir machen ein Fest, hier is richtig wat los
hier kriegt keiner einen rein – und hier is keiner der Boss!

Text und Musik: anonym ? Keine Angaben –
In: Dokumentation zum Neumühl-Prozess , November 1977 ,
herausgegeben von Herbert Stockhecke , im Namen der 12 Angeklagten und aller Festteilnehmer

Was wandelt im nächtlichen Dämmerschein

Was wandelt im nächtlichen Dämmerschein
im schwarzen Habit zu den Bergen
Was fährt dort im finsteren Schachte hinein
die Erze und Kohle zu bergen
Ja, wenn ihr die schwarzen Gestalten fragt
was sie in todbringende Schachte jagt
Es ist des Hungers alles bezwingende Macht

Was schleicht in hungernder Jammergestalt
dorthin zu der Esse, der hohen?
Was zwinget die Massen mit Riesengewalt
hinein, wo die Hochöfen lohen
Wenn ihr die hohläugigen Menschen fragt
was sie hin zur eig´nen Vernichtugn jagt
Es ist der Geldgier nie zu befried´gende Macht

(…)

Was leuchtet voll Hoffnung am Firmament
und will uns erretten vom Falle
Es ist das Proletarier-Regiment
das gleiches Recht will für alle
Seht, wenn ihr die jungen Rekruten fragt
was sie ermutigt zur Freiheitswacht
Es ist der Arbeit alles besiegende Macht

Ausschnitt aus „Das Proletarierheer“
Text: ohne Angabe des Verfassers
Musik: auf die Melodie von “ Was glänzt dort im Walde ….Lützows wilde Jagd “
in Max Kegel : Sozialdemokratisches Liederbuch von 1896 , Seite 34